Hallo Jelina,
es hängt in erster Linie alles davon ab, wieviel Ihr investieren wollt/könnt. Ein Architektenhaus ist natürlich schöner, weil man da das ganze Haus nach Lust und Laune planen kann. Wir haben damals ungefähr aufgemalt, was wir haben wollten und der Architekt hat daraus dann ein super Haus aufs Papier gezaubert, dann wurde noch ein wenig umgeplant und dann hatten wir unser Traumhaus. Der Nachteil ist, dass Du den Architekten dafür bezahlen muß, der Preis errechnet sich auf Basis der geschätzten Baukosten für das Haus. Und dann mußten wir noch einen Statiker beauftragen, der die Statik erstellt hat, allerdings weiß ich nicht, wonach der gerechnet hat, ich schätze, da wurden auch irgendwie die Baukosten zugrunde gelegt.
Bei einem Fertighaus sind diese Vorbereitungen ja alle schon mal gelaufen, daher spart man hier die Kosten dann ein und heutzutage ist es bei Fertighäusern möglich, auf sehr viele individuelle Wünsche einzugehen, solange man keine tragenden Wände versetzen will

Und bei einem Fertighaus hast Du dann so ziemlich nichts mit dem Bau zu tun, alles wird organisiert und rangefahren und Du mußt immer nur mal hinschauen, wie weit der Bau fortgeschritten ist bzw. kann man ja auch in gewissem Umfang Eigenleistung einbringen, was den Bau dann billiger werden läßt.
Wir haben unser Haus komplett in Eigenregie gebaut, das heißt, jedes bißchen Material selber beschafft, alle Handwerker (Maurer, Zimmermann, Dachdecker, Tischler, Elektro, Sanitär und Heizung, Estrichleger, Putzer, Baggerunternehmen)selbst organisiert und koordiniert. Außerdem haben wir auch viel selbst gemacht, z. B. den Keller von außen abgedichtet, Ringfundamente ausgegraben, Treppenhaus selbst gemauert usw.) Zu dem Zeitpunkt schien uns das alles ganz normal, es hat uns ja auch viel Spaß gemacht, weil man gesehen hat, wie schön alles vorwärts geht, aber danach sind wir beide gesundheitlich zusammengeklappt, weil so ein Hausbau leider auch viel Ärger mit sich bringt und über 9 Monate diesen Streß neben einem Vollzeitjob, das war dann doch ein bißchen viel. Also wenn das in Eigenregie laufen soll, dann müssen beide ziemlich belastbar sein und einiges an Ärger wegstecken können, ohne gleich Panik zu kriegen, sonst bekommt man das nicht hin.
Wenn man das Architektenhaus auch vom Architekten bauen läßt, inklusive Ausschreibungen und Bauleitung, ist das zwar eine feine Sache, aber letztendlich arbeitet er immer mit den gleichen Firmen zusammen, also so ganz objektiv wird da bei den Angeboten sicherlich nicht ausgewählt. Und unser Architekt sitzt in einem der 'neuen' Bundesländer, der arbeitet nur mit Firmen aus seiner Umgebung zusammen, der kannte die Firmen, bei denen wir angefragt haben, zum Teil gar nicht. Allerdings war es für uns wichtig, dass wir möglichst Handwerker vor Ort beauftragen. Wir haben zwar im weiteren Umkreis Anfragen gestartet, aber es hat sich gezeigt, dass unsere Handwerker vor Ort nur unwesentlich teuer waren bzw. konnte man ja auch noch ein wenig verhandeln und daher haben wir uns dann auch für diese entschieden.
Bei der Finanzierung ist es wichtig, dass Ihr ein gewisses Eigenkapital habt, denn ansonsten wird die Finanzierung sehr, sehr teuer und falls dann mal einer arbeitslos wird, geht gleich das Haus unter den Hammer. Bei genügend Eigenkapital z. B. durch Bausparverträge oder so, sind die monatlichen Belastungen nicht viel höher als bei einer Mietwohnung und selbst wenn ein Verdiener ausfällt (wie bei uns leider passiert), dann ist gleich das Haus weg. Allerdings müßt Ihr sehr aufpassen, wo und wie ihr die Finanzierung macht, denn oftmals rechnen Hausbaufirmen einem alles schön, nur um wieder einen Auftrag zu bekommen und nachher kommt das große Erwachen. Freunde von mir sehen sich gerne mal sonntags nachmittags Musterhäuser an, und dann sitzt da ja auch immer jemand, der mal eben schnell ganz problemlos eine Finanzierung ausrechnet. Die beiden haben keinen Penny auf der Bank, aber Du glaubst nicht, was denen schon für tolle Finanzierungen ausgerechnet wurden, danach könnten sie locker eine Villa mit Butler finanzieren und nebenbei noch auf großem Fuß leben.
Wichtig ist aber auch, dass Ihr ein wenig auf das Drumherum achtet: was gibts dort für Nachbar, wo Ihr bauen wollt, wie weit ist in der Siedlung die Bebauung? Nicht dass Ihr ganz tollen Ausblick habt und nach zwei Jahren seht Ihr dann nur noch auf die Rückwand des neuen Nachbarn. Gibt es eventuell besondere Vorschriften (davon gibts hier in Deutschland ganz viele und vor allem ganz unlogische und bekloppte

). Wir durften z. B. die Farbe unseres Daches und der Klinker nicht frei wählen, es mußte zum Dorf passen und da gabs genaue Vorschriften. Also hätten wir ein weißes Haus mit blauem Dach gewollt, hätten wir hier echt Pech gehabt. Die Bebauungsgrenzen könnten ein Problem werden, wenn Ihr später mal noch einen Anbau machen wollt, einen Wintergarten oder sogar nur einen Carport, also laßt solche Dinge lieber gleich mitgenehmigen, auch wenn Ihr sie nicht sofort bauen wollt. Wenn Ihr ein Reihenhaus bauen wollt, dann kann es sogar zu einem Drama ausarten, wenn man nachträglich vor der Haustür ein Regenschutzdach anbringen will(hatten wir gerade erst im Bekanntenkreis, die Nachbarn wollten es nicht und nun darf unser Bekannter an seinem eigenen Haus kein Regendach anbringen).
Eine wichtige Überlegung ist immer, ob Ihr mit oder ohne Keller bauen wollt. Mit ist auf den ersten Blick teurer, weshalb viele drauf verzichten, aber anderherum ist so ein Keller der billigste umbaute Raum und im Verhältnis zum Nutzen sind die Mehrkosten dann gar nicht mehr so hoch (wenn man sie sich dann leisten kann). Es kommt auch darauf an, welchen Heizungstyp Ihr nehmen wollt. Für eine Ölheizung braucht man auch einen Öltank und der steht nunmal im Keller (oder man gräbt einen Erdtank ein, was wieder sehr, sehr viel Geld kostet, welches man dann lieber in den Keller investieren kann). Bei Gasheizung genügt eine winzige Ecke um dort die Heizung aufzustellen und die kann auch gerne im Spitzboden liegen, wo sie keinen wertvollen Wohnraum wegnimmt. Solartechnik ist eine feine Sache, wird auch vom Staat über verschiedene Stellen gefördert, allerdings sind die Fördersummen im Verhältnis nicht sehr hoch, also den allergrößten Anteil müßt Ihr selbst bezahlen und da handelt es sich auch immer um einige Tausend Euro.
Der Innenausbau ist dann nachher auch nicht zu unterschätzen, da ist halt die Frage, wieviel Ihr selbst machen könnt, ob vielleicht in der Familie oder Bekanntschaft Handwerker sind, die Euch da behilflich sind usw. Man glaubt nicht, wieviel Geld innen in das Haus reingesteckt werden muß, da kommt schnell ein Sümmchen zusammen, je nachdem, wie anspruchsvoll man ist. Aber alles was hübsch ist, ist auch teuer, das haben wir beim Bauen auf jeden Fall festgestellt. Also da muß man sich auch vorher im Klaren drüber sein, wo man ein wenig sparsamer ist und wo man lieber einen Euro mehr ausgeben will. Wenn Ihr die Möglichkeit habt, selbst und sehr günstig Holz zu machen, dann ist der Einbau eines Kaminofens oder sogar einer Holzheizung zusätzlich zur normalen Heizung eine Überlegung wert. Wenn Ihr allerdings darauf angewiesen seid, fertiges Holz zu kaufen, dann ist es eher ein Luxus, mit dem man aber keine Energiekosten einsparen kann.
Macht Euch also ruhig die Mühe, Euch sehr lange und intensiv zu informieren, egal zu welcher Art von Haus Ihr Euch entscheidet, dann geht nachher der Hausbau umso glatter.
@Riki King
So ein Haus ist natürlich der absolute Hammer, aber sowas dürften wir hier in Norddeutschland gar nicht in unser Dorf stellen, na ja, und es wäre - glaube ich - auch fast unbezahlbar.
Viele Grüße
Baila