Große Ehrfurcht: Die "Respektpersonen" unserer Kindheit

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Autor Thema: Große Ehrfurcht: Die "Respektpersonen" unserer Kindheit  (Gelesen 716 mal)
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« am: Freitag, 28. April. 2006, 10:58:58 am »


"Respekt" scheint heute nicht mehr so weit verbreitet zu sein, wenn ich heute 13jährige an der Bushaltestelle sehe, die kein Problem damit haben, sich selbst über Alte und Gebrechliche lustig zu machen. Das war in den 60ern und 70ern total anders – ich erinnere mich noch sehr gut an die "Respektpersonen" in meiner Kindheit.

Lehrer und Lehrerinnen
Sie waren streng und autoritär und ließen NICHTS durchgehen. Ein Eintrag im Klassenbuch, ein Brief an die Eltern oder das Zitieren in der großen Pause zum Direktor der Schule – das verursachte alles "weiche Knie" bei mir. Ich hatte regelrecht Magenschmerzen, wenn mich die Deutschlehrerin wegen "dauerndem Schwätzen" ins Klassenbuch eintrug und wir dann am nächsten Tag beim Klassenlehrer Unterricht hatten und er als erstes das Klassenbuch aufschlug, um die Einträge zu kontrollieren.

Polizei
Die Polizei kam nach meinen Eltern und dem lieben Gott direkt als nächstes. Sie waren für mich unangreifbar, die absolute Autorität, die Macht im Staat, das GESETZ. Ich war immer ein "braves Kind" und mußte nichts fürchten – aber die Polizei war immer sowas wie von einem anderen Planeten.

Alte Menschen
Ich bin ihnen immer mit EHRFURCHT begegnet. Sie hatten schon ein langes Leben hinter sich, hatten so viel gesehen und erlebt, hatten so einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Sie waren die, die "vor uns da waren" und alles viel besser beurteilen konnten. Wenn ich sah, wie meine Eltern mit "Oma und Opa" umgingen, hatte ich immer ein heimeliges Gefühl der Geborgenheit und einer "großen Familie", der KEINER was anhaben konnte!

Busfahrer
Der Herrscher über den großen Bus! Er bediente immer diese Kurbel, die dann für 20 Pfennig den Fahrschein ausspuckte. Er konnte die zischenden Falttüren öffnen und schließen und steuerte das riesige Gefährt souverän durch den Straßenverkehr. Eine Zeitlang war "Busfahrer" mein absoluter Traumberuf, die waren in meinen Augen richtig "mächtig" und hatten einen tollen Beruf.

Planierraupenfahrer
Das waren "richtige Kerle" für mich, Männer aus Stahl und echte HELDEN! Als in unserer Siedlung weiter gebaut wurde und diese MÄNNER dann über die großen Raupenketten in die Kabine kletterten und den Diesel anwarfen – wow! Die Herrscher über Stahlgiganten, die mit der großen Schaufel ALLES wegschieben konnten und dabei immer total cool, locker und lässig dieses Monstrum bedienten.


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« Antwort #1 am: Freitag, 28. April. 2006, 11:05:01 am »


"Ehrfurcht" erinnert mich eigentlich immer an Camillo Felgen "Ich hab Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren"....

Meine Eltern, klar, die waren schon Respektpersonen für mich. Lehrer schon als ich älter wurde nur noch bedingt...ich glaube bereits da entwickelte sich ein Teil meiner "Lehrerallergie".

Es sind nicht nur die Jugendlichen heute die "Respekt" nicht mehr so kennen wie wir...viele in unserem Alter ( ich auch 48)
leben es ihnen bereits vor...bedingungslosen Respekt/Gehorsam fand ich auch noch nie gut, aber so wie heute manchmal find ich es dann auch wieder nicht gut...

lg
hexep
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« Antwort #2 am: Freitag, 28. April. 2006, 11:15:35 am »


Stimme dir voll zu!

Blinder Gehorsam und Respekt taugte noch nie was. Aber wenn ich heute lese, daß Schüler schon mit 12 Jahren ihre Lehrerin ungestraft als "blöde Vo...." oder den Klassenlehrer als "blödes A....loch" titulieren, dann kann ich nur noch den Kopf schütteln, sorry.

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« Antwort #3 am: Freitag, 28. April. 2006, 11:19:33 am »

Das Problem ist das viele Eltern sich selber nicht respektieren wie sollen es dann die Kinder können.
Wenn ich schon Ehepaare sehen wo anfangen sich zu beschimpfen und das egal wo sie sind dann wundert mich garnicht.
Den Kindern sollte man ein gesunden Respekt beibringen.
Respekt klar vor meinen Eltern und Familie aber vor meinem Uropa hatte ich super Respekt da habe ich sogar meinen Mund gehalten, und das will was heißen.
LG
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« Antwort #4 am: Freitag, 28. April. 2006, 11:46:48 am »

Vollkommen richtig...aber warum ist es denn so das Schüler "ungestraft" sowas sagen können?
Also mir hat mal ein Lehrer gesagt das er sich nicht mehr wundert, aber seine Lehren daraus zieht oder besser Konsequenzen...
Er hat Eltern zum GEspräch bestellt weil es mit dem Junior so überhaupt nicht ging. Junior kam mit. Anfangs schaute er sich das alles sehr zerknirscht an...der Lehrer erklärte den Eltern das es um die Zukunft des Herrn geht, das es SO garantiert nichts wird und das sich was tun muss. Ich muss sagen wen ndas alles so stimmt, hat sich dieser Lehrer sehr bemüht...und als Antwort bekam er : "Da haben sie Recht, sie müssen sich wirklcih ändern und dem Kind mal was beibringen. Zu sagen habens ihm aber nix, der hat nur auf mich zu hören sonst bekommt er eine in die Fresse"....

Das zerknirschte Gesicht des Juniors war nicht mehr da ...das Klassenziel wurde nicht erreicht...den Lehrer hat es nicht mehr interessiert...

Ich stehe zwar auch voll hinter meinen Kids,  aber doch nicht so. Sie müssen dennoch lernen was richtig und was falsch ist, sie müssen dennoch kapieren das SIE lernen müssen und nicht ich....etc.pp.

In unserer Gesellschaft habe ich manchmal das Gefühl das nur noch der Stärkere überlebt...und gefördert wird. Wer sozial denkt, wer hilfsbereit ist, der bleibt auf der Strecke als Trottel der Nation.

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« Antwort #5 am: Freitag, 28. April. 2006, 11:52:03 am »


Zitat
In unserer Gesellschaft habe ich manchmal das Gefühl das nur noch der Stärkere überlebt...und gefördert wird. Wer sozial denkt, wer hilfsbereit ist, der bleibt auf der Strecke als Trottel der Nation.

Wie wahr, wie wahr! Das klang ja auch schon in meinem Thread "war früher wirklich alles besser?" an. Heute hat man oft den Eindruck, daß es nicht mehr um das Miteinander, sondern nur noch um das Gegeneinander geht.

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Just
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« Antwort #6 am: Samstag, 29. April. 2006, 18:45:48 pm »

DAS stimmt allerdings ...

lehrer ... das waren die respektspersonen gleich nach den eltern ...
über polizei musst ich mir erst nen kopf machen als ich mit 13 das
rauchen anfing und mich keiner erwischen durfte *gg*

nur ehrlich gesagt gibt es nicht nur lehrer die total überfordert sind
sondern auch lehrer , die gar nicht anders wollen als mit den kids zu
machen was se wollen .... oh gott ... ich könnt euch da storys erzählen .
und tut mir leid ... wie soll ich sls erwachsenen einen lehrer respektieren,
der definitif auch noch mehr oder weniger zugibt, das es einige gibt ,
um die er sich ned kümmern will !

ich glaub das gab es früher auch ned in dem ausmaß ...

LG just
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« Antwort #7 am: Sonntag, 30. April. 2006, 11:39:02 am »

Für mich waren ähnliche Respektspersonen wichtig wie für dich,meine Grossmutter hat uns auch noch Respekt vorm Pfarrer beigebracht. Ich bin auf einem Bauernhof geboren und aufgewachsen,zusammen mit Bruder,Eltern und Grosseltern lebten wir in einem Haus.Heute lebe ich mit meiner Familie wieder hier.Meine Eltern leben unten.Als ich letzthin einer alten Frau mit Stock im Kaufhaus die Tür aufhielt wurde ich von einer Gruppe Jugendlicher ausgelacht.Ich habe gedacht,wie traurig,sie kennen es nicht anders.Meine Tochter,heute23 und mein Sohn 6Jahre alt werden anders erzogen.Inwieweit sie das vorgelebte und erlernte umsetzen wird sich zeigen.Ich könnte noch Stunden so weiter schreiben,aber meine Familie möchte Mittagessen.Liebe Grüße Gisela P. :coffee:
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