Für alle, die sich mit dem Brettchenweben gern beschäftigen möchten, aber sich bisher noch nie mit der Thematik befasst haben, habe ich mal ein paar Fachausdrücke aus der Brettchenweberei gesammelt und erklärt. Dazu findet man auch bei allen Begriffen die englische Bezeichnung, weil vieles im Web und in der Fachliteratur nur auf englisch zur Verfügung steht (ist also vielleicht ganz praktisch). Unten im Text sind außerdem ein paar Techniken ganz kurz erklärt, um einen schnellen Einblick zu haben, was man so alles mit Brettchen machen kann. Viel Spaß damit!
Brettchen
Engl.: a tablet (brit.), a card (am.)
Das Brettchen ist Grundbestandteil der Brettchenweberei. Es ist ein flaches,
meist quadratisches Plättchen aus Holz, Horn, Leder oder Pappe mit jeweils
einem Loch an jeder Ecke (s. Abb.). Es hat eine Größe von ca. 4 x
4 bis zu 6 x 6 cm (es gibt keine Norm) und ist möglichst dünn (z.B.
aus Plakatpappe oder Leichtbauholz). Es gibt auch drei-, sechs- und achteckige
Brettchen.
Brettchenweben, Brettchenweberei
Engl.: tablet weaving, card weaving
Das Bandweben mit Hilfe von Brettchen.

Brettchenstapel (od. Päckchen)
Engl.: pack
Mehrere Brettchen zusammengenommen ergeben einen Brettchenstapel oder ein Päckchen.
Drehen
Engl.: to turn
Die Brettchen werden nach jedem Webvorgang zum Weber hin oder vom Weber weg
gedreht. Dies geschieht entweder mit allen Brettchen gleichzeitig oder durch
auszählen nach Musterbrief mit einem Teil vorwärts und dem anderen
rückwärts. Normalerweise führt der Weber jeweils eine Vierteldrehung
der Brettchen aus.
Fach
Engl.: shed
Der zwischen den oberen und unteren Kettfäden entstehende Zwischenraum,
durch den der Schussfaden gewebt wird, nennt man Fach.
Kette
Engl.: warp
Alle Kettfäden zusammengenommen nennt man Kette.
Kettfaden
Engl.: thread
Jeder einzelne Faden, der durch eines der Löcher eines Brettchen gefädelt
wird, ist ein Kettfaden. Alle Kettfäden zusammen bilden die Kette.
Musterbrief (od. Webbrief)
Engl.: threading diagram
Dies ist die Vorlage, die alle Informationen zum Weben eines Musters beinhaltet.
Schären, Schärung
Engl.: threading
Das Auffädeln oder Aufziehen der einzelnen Kettfäden durch die Löcher
der Brettchen, nennt man Schären, wobei man sagt, dass die Brettchen geschärt
werden (und nicht die Kettfäden).
Schärrichtung
Engl.: threading direction
Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man Brettchen schären kann, nämlich
in S-Richtung oder in Z-Richtung (s.u.). Dabei kommt es häufig vor, dass
nicht alle Brettchen in die gleiche Richtung geschärt werden sondern z.B.
abwechselnd eins S und eins Z, je nach Muster.
S-Schärung
Engl.: S-threaded (tablets)
Bei der S-Schärung werden die Kettfäden von hinten nach vorne durch
die Löcher gefädelt. Man kann auch sagen, wenn das Brettchen mit einer
Schmalseite zum Weber hin zeigt, dass die Kettfäden von rechts nach links
eingefädelt werden.
Z-Schärung
Engl.: Z-threaded (tablets)
Bei der Z-Schärung werden die Kettfäden von vorne nach hinten durch
die Löcher gefädelt, also genau anders herum als bei der S-Schärung.
Man kann auch sagen, wenn das Brettchen mit einer Schmalseite zum Weber hin
zeigt, dass die Kettfäden von links nach rechts eingefädelt werden.
Schiffchen
Engl.: shuttle
Auf das Schiffchen wird der Schussfaden aufgewickelt. Es dient einerseits als
Hilfe zum Durchführen des Schussfadens durch das Fach und kann gleichzeitig
zum Festklopfen der Webarbeit verwendet werden.
Schußfaden
Engl.: weft
Der Schussfaden ist der Faden, der nach jeder Drehung der Brettchen durch das
Fach hin und her gewebt wird, so dass die Kettfäden verwebt werden.

Kurze Erläuterung zu ein paar Techniken
0-1-2-1 Methode (nach Laitenberger)
Engl.: Missed-hole technique
Technik, bei der nicht alle Löcher eines Brettchens geschärt werden
sondern nur 3 davon. Ein Loch bleibt leer (0), das Gegenüberliegende wird
in einer Farbe geschärt (2) und die beiden Übrigen in einer anderen
(1). Durch das Fehlen eines Kettfadens im Brettchen wird an manchen Stellen
beim Weben der Schussfaden sichtbar, was sich auf die Musterbildung auswirkt.
Brochiertechnik
Engl.: brocading, brocaded bands
Technik, bei der Muster dadurch entstehen, dass der Schussfaden über einzelne
Kettfäden gehoben wird anstatt ihn durch das Fach zu führen. Der Schussfaden
ist hier musterbildend.
Doppelseitiges Weben
Engl.: double-faced weave
Bei dieser Technik werden die Löcher der Brettchen A und B in einer, C
und D in einer anderen Farbe geschärt. Durch Drehung 2 vor / 2 zurück
entsteht ein Band, das auf einer Seite eine Farbe und auf der Rückseite
die andere Farbe hat. Durch umgekehrtes Drehen einzelner Brettchen entstehen
auf der Oberfläche Muster in der Farbe der Rückseite.

Köperbindung
Engl.: 3/1 broken twill
Technik, bei der eine Struktur entsteht, die einem Köpergewebe ähnelt.
Es wird mit zwei Farben und versetzten Drehungen der Brettchen gewebt.
Schnurbindung
Engl.: threaded- in technique / warp-twined band
Die einfachste Technik beim Brettchenweben. Hier entstehen Muster durch die
verschiedenen Farben der Kettfäden und durch den Drehrhythmus, in dem die
Brettchen gedreht werden (z.B. vier Vierteldrehungen vorwärts / vier Vierteldrehungen
rückwärts). Alle Brettchen werden gleichzeitig gedreht.
