Im Chat wurde ich gebeten eine Nähanleitung für Anfänger zu machen. Hier ist sie!
Da dieses Thema für einen Anfänger sehr umfangreich ist, habe ich es aufgeteilt.
Im ersten Teil beschreibe ich, wie man den Schnitt erstellt und den Stoff zuschneidet. Im zweiten Teil wird dann genäht.
Wenn ihr irgendwelche Fragen habt könnt ihr mich natürlich gerne im Nähforum fragen!
Näht wenn ihr entspannt seid und Lust dazu habt. Dann gelingt es selbst mir besser...
Material:
- Schnitt
- Stoff
- Nähgarn (farblich assend zum Stoff)
- Schnittmusterfolie mit Stift
- Nähmaschine
- Schere
- Stecknadeln
- Lineal, besser Geodreieck
- Maßband
So geht's:
Der Schnitt
Schnitte gibt es in Schnittmuster-Zeitschriften überall wo es Zeitschriften
gibt. Oder ihr kauft einen Einzelschnitt; diese gibt es übers Internet
(z. B. Burdamode.com) oder wo es Stoffe gibt (z. B. Karstadt). Kauft Euch besser
ein Heft, da habt ihr für das selbe Geld gleich mehrere Schnitte!
Wenn ihr wirklich noch keine Kleidung genäht habt, dann empfehle ich Euch
Schnitte für Anfänger zu verwenden. Von Burda gibt es auch ein Schnittmusterheft
„Nähen Quick & easy“; es erscheint aber nicht monatlich.
Schaut mal im Zeitschriftenhandel… Solche Schnitte gibt es auch als Einzelschnitte.
Eine ausführliche Anleitung mit vielen Zeichnungen liegt den Schnitten
bei.
In dieser Anleitung erkläre ich ein Damenshirt mit kurzen Ärmeln
aus Jersey, mit einem runden bzw. U-Boot-Ausschnitt. Holt Euch am besten einen
ähnlichen Schnitt.
Der Stoff:
Günstigere Stoffe gibt es bei Karstadt, der Meter zu etwa 10 € (und
weniger). Eine weitere Möglichkeit bietet der Versand. Empfehlen kann ich
hier buttinette.de, die schicken alle 2 Monate auch ein Prospekt. Die Farbfotos
stimmen sehr gut mit dem wirklichen Stoff überein. Und ihr könnt natürlich
auch über das Internet kaufen – hier gibt es eine große Zahl
an Geschäften! Oder ihr kauft in Stoffgeschäften; diese sind meist
etwas teurer. Aber auch dort kann man Schnäppchen machen!
Die Menge hängt von eurer Größe ab. Guckt am besten bei der
Schnittbeschreibung, da steht der Stoffverbrauch dabei (für Größe
36 ist eine Menge von 1,3m bei kurzem Arm ausreichend).
Ich nähe mein Shirt aus Jersey, das ist ein einer Strickstoff, der dehnbar
ist. Für den Sommer empfehle ich Baumwolle. Nehmt möglichst keine
reine Baumwolle, die neigt zum Knittern.
Schnittmusterfolie:
Die braucht ihr um den Schnitt vom Schnittmusterbogen abzupausen. Niemals den
Originalschnitt zerschneiden!!
Fragt dort, wo ihr den Stoff kauft; da gibt es auch die Folie. Achtet darauf,
dass ihr eine Packung mit Stift erwischt; das ist ein Spezialstift, der auf
der Folie nicht verwischt.
Schnitt erstellen – es geht los!!
Zuerst müsst ihr eure Maße ermitteln. Messt mit dem Maßband
dem Umfang an der stärksten Stelle der Brust, an der schmalsten Stelle
der Taille und an der stärksten Stelle eures Hinterteiles.
Vergleicht diese Maße mit der Maßtabelle. Diese ist bei jedem Schnitt/Heft
dabei. Habt ihr genau eine Größe? Glückwunsch! Alle anderen
können ihr Shirt ihren Maßen anpassen. Das ist nicht schwer! Notiert
oder merkt euch, welche Größe ihr an der Oberweite, Taille und Hüfte
habt. Es kann auch sein dass ihr genau zwischen 2 Größen liegt!
Breitet jetzt den Schnittbogen aus. Hoffentlich habt ihr einen großen
Tisch, zur Not tut es der Boden (holt euch keine Rückenschmerzen!). Orientiert
euch erst mal, wo die verschiedenen Teile auf dem Bogen liegen. Die Schnitte
sind immer in mehreren Größen auf dem Schnittbogen. Meist sind sie
nummeriert und die Zahlen finden sich am Rand des Bogens. So findet man die
Teile leichter.
Wir brauchen ein Vorderteil, ein Rückenteil und die Ärmel. Alles
gefunden?
Dann nehmt jetzt einen Bogen von der Folie und legt diese über das erste
Schnittteil, sagen wir das Vorderteil. Fahrt mit den Stift entlang eurer Größenlinie.
Liegt ihr zwischen 2 Größen, zeichnet in der Mitte zwischen den entsprechenden
Größen. Habt ihr z. B. an der Oberweite Gr. 36 und an der Taille
Gr. 38, dann zeichnet den oberen Teil in Gr. 36, den unteren Teil in Gr. 38.
Gleicht die Linien dazwischen an, so dass eine flüssige Linie entsteht.
Schon habt ihr euren Maßschnitt! Zeichnet alle Linen und Markierungen
ab, auch den Fadenlauf, Passzeichen (das sind kleine Striche am Schnitt). Beschriftet
die Teile mit Namen (also „Vorderteil“ etc.).
Natürlich braucht ihr noch eine Nahtzugabe, um Nähen zu können.
Es gibt viele Möglichkeiten dazu; genauso wie beim Nähen. Ich erkläre
jetzt meine Methode; sie ist zugleich die einfachste und die praktischste.
Ihr habt jetzt das Vorderteil abgepaust. Nehmt jetzt das Geodreieck, oder Lineal
und Maßband falls ihr keins habt. Zeichnet im Abstand von 1,5 cm außerhalb
des Schnittes die Linien nach. Unten an der Saumkante zeichnet ihr im Abstand
von 3 cm. An den Kanten, die mit „Stoffbruch“ bezeichnet sind, gebt
ihr keine Nahtzugabe zu.
Dann könnt ihr das erste Teil entlang der äußersten Linie ausschneiden.
Mit den anderen Teilen verfahrt ihr ebenso. Auf dem Bild seht ihr das Ärmelschnittteil
mit den Nahtzugaben vor dem Zuschneiden.

Zuschneiden:
Ihr braucht eine feste Unterlage, also einen größeren Tisch (der
kleine Schreibtisch wird es nur schlecht tun). Zur Not weicht wieder auf den
Boden aus. Achtet auf euren Rücken, macht lieber Pausen beim Zuschneiden!
Schaut in der Nähanleitung eures Schnittes, da ist ein Zuschneideplan
dabei. Faltet den Stoff wie auf diesem Plan gezeigt und orientiert auch die
Schnittteile danach. Das ist bei jedem Schnitt verschieden…
Wir fangen mal mit dem Vorderteil an. Es wird im Stoffbruch zugeschnitten.
Der Stoffbruch bezeichnet die Kante, an der der Stoff gefaltet wurde.
Legt die Stoffbruchkante genau auf den Stoffbruch. Fixiert das Schnittteil mit
Stecknadeln wie auf dem Bild zu sehen ist.

Dann nehmt ihr eine gute Schere, noch besser eine Stoffschere, und schneidet
entlang den äußeren Kanten der Schnittteile den Stoff zu. Schneidet
möglichst exakt zu. Bei den Passzeichen (z. B. am Armausschnitt) schneidet
ihr die Nahtzugabe ca. einen halben Zentimeter ein. Das ist die Markierung für
dieses Passzeichen.
Nehmt die Stecknadeln aus dem Stoff und entfernt das Schnittteil. Verstaut
es am besten in einer Klarsichthülle mit allen anderen Teilen. Die Anleitung
und eine Zeichnung oder Bild des Shirts solltet ihr auch dazu legen, damit ihr
später noch wisst was das für ein Schnitt ist.
Schneidet das Rückenteil wie das Vorderteil zu.
Bei den Ärmeln muss jetzt der Fadenlauf beachtet werden. Der Fadenlauf
verläuft parallel zu den Längskanten des Stoffes. Bei Jersey nennt
man ihn allerdings Maschenlauf, denn dieser Stoff ist ja gestrickt.
Für die Ärmel müsst ihr eventuell den Stoff wieder anders falten.
Schaut dazu den Schnittplan an.
Legt das Schnittteil auf den Stoff. Mit dem Maßband messt ihr von der
Fadenlauflinie am Schnitt bis zu der Stoffkante. Wiederholt es an einer anderen
Stelle; diese 2 Maße müssen gleich sein. Evtl. müsst ihr das
Schnittteil noch ausrichten.
Schneidet den Ärmel zu. Vergesst das Passzeichen nicht!
Da der Stoff doppelt liegt, habt ihr gleich die 2 Ärmel auf einmal.
So, Zeit für eine Pause! Das habt ihr wunderbar gemacht ;-)
Im 2. Teil geht es weiter; da wird endlich genäht!