Jacke füttern

Hier ist nun die "heißersehnte" Anleitung zum Jackefüttern ...

Material:

  • Genähte Jacke mit Schnittmuster
  • Futterstoff
  • Nähgarn
  • Stecknadeln
  • Schere
  • Nähnadel
So geht's:

Die Jacke aus Oberstoff ist bereits genäht, wobei die Säume nur geheftet sind (sofern sie nicht abgesteppt werden). Heften: Steppen mit großen Stichen (Stichlänge mindestens 4), wobei etwa 1 cm von der Umbruchkante entfernt gesteppt werden sollte. Die Säume werden dann später von Hand unsichtbar angenäht.
Die Jacke sollte auf jeden Fall einen vorderen Besatz haben, nach Möglichkeit auch einen hinteren. Den könnt Ihr Euch ganz einfach selbst zeichnen:

Beim Nähen werden die Schulternähte der Besätze gesteppt und dann an der bis auf den Kragen fertig zusammengesetzten Jacke die vordere Kante und der Halsausschnitt damit verstürzt. Evtl. vorhandener Reißverschluss oder Kragen wird dabei zwischen gefasst. (Näheres dazu in meinem Jacken-Nähkurs, der in Vorbereitung ist).

Jetzt werden die Futterteile zugeschnitten, wobei an allen Kanten und auch an den Säumen eine Nahtzugabe von 1,5 cm nötig ist (die Jacke hat eine Saumzugabe von 3 cm). Zugeschnitten werden Vorder- und Rückenteile ohne die Besätze sowie die Ärmel.
Beim Rückenteil wird am Futter immer etwas Mehrweite zugegeben, damit das Futter die Jacke nicht „behindert“. Dazu wird einfach an der hinteren Mitte mehr Stoff zugeschnitten, also die Bruchkante des Schnittes z. B. 2 cm neben der Stoffbruchkante aufstecken.
Sind Vorder- und Rückenteile mehrteilig, wird auch das Futter mehrteilig zugeschnitten. Wenn die Teilungsnähte gerade sind, können die Futterteile auch einfach fürs Zuschneiden aneinander gelegt werden und diese Teile als ein Teil zugeschnitten werden (spart etwas Näharbeit).

Die Futterjacke wird jetzt zusammengenäht wie der Oberstoff. Abnäher kann man dabei auch einfach als Falte zustecken. Die Mehrweite des Ärmels braucht auch nicht unbedingt eingehalten zu werden; diese kann auch in (mindestens) 2 Falten gelegt werden:


(nicht der klassische Weg, vereinfacht aber die Sache ein wenig!).
Die Mehrweite an der hinteren Mitte auch als Falte einlegen!

(Die folgenden Bilder stammen von einer Steppjacke, mit der ich den selbst gemachten Steppstoff erklärt habe. Die Jacke ist schwarz und ebenso das Futter. Unter dem Oberstoff befindet sich Volumenvlies, aber lasst euch davon nicht irritieren.
Zudem hat meine Jacke zwischen vorderen Besatz und der Saumzugabe eine Briefecke, was das Futterannähen erleichtert. Die Briefecke werde ich in meinem Jackenkurs erklären oder siehe im Burda-Lexikon)

Nun muss das Futter noch angenäht werden. Dazu wird die Futterjacke rechts auf rechts auf die Oberstoffjacke gelegt und die Besätze werden aufeinander gesteckt.
Ich beginne dabei immer an dem hinteren Besatz und arbeite mich zu den Seiten vor.


Dann wird das Futter am Besatz festgesteppt. Die untere Saumzugabe bleibt zunächst unberücksichtigt.

Jetzt kommt eine „Entdeckung“ von mir, wie man das Ärmelfutter recht leicht annähen kann. Dazu werden die Ärmel von Futter und Jacke erst mal auf links gewendet (die linke Seite der Ärmel ist somit sichtbar).


Die Jacke dann so hinlegen, dass sich Futterärmel und Oberstoffärmel der gleichen Seite gegenüber liegen. Die unteren Ärmelnähte zeigen zueinander (rote Linien):

Dann die Ärmelenden zueinander drehen und den Futterärmel über den Oberstoffärmel ziehen:

Futterärmel feststecken, dabei treffen die Teilungsnähte aufeinander. Die Naht 1,5 cm breit steppen. (so unglaublich wie es im Moment aussieht: nach dem Wenden ist das Futter richtig im Ärmel!)

Jetzt noch an der unteren Kante das Futter auf die Saumzugabe stecken, evtl. Teilungsnähte und die Seitennähte treffen aufeinander.
1,5 cm breit steppen, dabei etwa in der Mitte ein Stück offen lassen (mindestens 15 cm), damit die Jacke auch gewendet werden kann.
Wenn die Ecke mit der Maschine nicht richtig gelingt, dort ein Stückchen freilassen und die Lücke später von Hand schließen.

Die Saumzugaben an der unteren Kante und an den Ärmeln mit lockeren Steppstichen (oder auch Hexenstich) von Hand auf den Oberstoff nähen. Dazu oberhalb der Futteransatznaht nähen und am Oberstoff nur etwa 2 Fäden aufnehmen, damit von außen keine Stiche sichtbar sind (ein farblich gut passendes Nähgarn ist da sehr hilfreich!).
Ich habe es bei dieser Jacke einfacher, denn ich kann die Saumzugabe am Volumenvlies festnähen (die blaue Linie ist die Steppnaht):



Achtung: an der Lücke zum Wenden das Futter nicht mitfassen, sondern nur die Saumzugabe des Oberstoffes festnähen! (Sonst kann die Jacke nicht mehr gewendet werden)
Wer diese „Arbeit“ nicht machen will oder wenn sich der Stoff dazu schlecht eignet (weil er z. B. sehr dünn ist oder irgendwie die Stiche zu sehen sind), kann die Saumzugaben auch feststeppen – allerdings bevor das Futter angenäht wird (denn mit angenähten Futter kann die Saumzugabe nicht mehr abgemessen werden).

Die Jacke nun durch das frei gelassene Stück wenden und die Ärmel nach rechts ziehen (na, wie sitzt das Ärmelfutter?). Heftstiche an den Säumen entfernen.

Als letztes wird die offen gelassene Lücke noch geschlossen. Dazu wird erst mal das Futter 1,5 cm breit nach innen umgeschlagen und auf die Saumzugabe gesteckt.

Dann von Hand die Lücke wie folgt zunähen (hier kommt ihr ums „Hand anlegen“ nicht drum herum!): In die Futterstoffbruchkante einstechen und ca. 0,5 cm weiter wieder ausstechen. Dann an der Ausstichstelle in die Saumzugabe einstechen und 0,5 cm weiter wieder ausstechen. An dieser Ausstichstelle dann wieder in die Futterbruchkante einstechen usw., bis die Lücke geschlossen ist.

FERTIG! Solltet Ihr noch Fragen haben antworte ich Euch gern im Nähforum.



Design:
stebo79 am 26.02.2004 23:00:00 Uhr | 11606x gelesen

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Kommentare

Kommentar von: masan am 2004-11-26 09:23:35

Joo! Hab herzlichen Dank dafür, jetzt kann mein vorletztes UFO doch noch unters Volk gebracht (und vielleicht bewundert)werden.
LG masan


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